Besonderheiten bei der Schweriner Straßenbahn

Stand: 18. Juni 2015

 

Signalanlage Platz der Freiheit – Marienplatz (17.06.15)

Signalanlage Unterführung Ludwigsluster Chaussee (25.09.12, ergänzt am 23.07.13)

Bedienung der Weichenstraße zur Abstellfläche Btf. Haselholz (12.10.10)

 

Signalanlage Platz der Freiheit - Marienplatz

Am 22. April 2015 begann die Installation der eigentlich bereits zum Beginn der Baumaßnahme vorgesehenen Signalanlage. Die Inbetriebnahme erfolgte am 9. Juni 2015 um 17:00 Uhr.

Die Straßenbahnsignale gelten nur für Züge, die den eingleisigen Abschnitt befahren.

 

Zugsicherung:

Die Zugsicherung erfolgt je Richtung in zwei Abschnitten. Der erste Abschnitt, die sogenannte Deckung, regelt die Zufahrt zum eingleisigen Abschnitt. Der jeweils zweite Abschnitt beinhaltet die Zugsicherung des eingleisigen Abschnittes.

ln der Grundstellung zeigen die Deckungssignale DS 1 und DS 2 das Signalbild F 1 (Fahrt freigegeben nur geradeaus), die Signale S 1, S 2 und S 3 das Signalbild F 0 (Halt). Alle Zwischensignale (S 11 bis S 13 und S 21 bis 23) zeigen das Signalbild F 0 (Halt). Das Anmelden erfolgt an den Einschaltkontakten EK 1.1, EK 1.2 oder EK 2. Damit sich keine vom Marienplatz in Richtung Hauptbahnhof fahrenden Züge anmelden, wird der Einschaltkontakt EK 2 nicht als Oberleitungskontakt, sondern als LSA-Telegramm vom Bordrechner über Wegimpulse bedient.

Unmittelbar nach der Vorbeifahrt an den Signalen DS 1 bzw. DS 2, wobei das betreffende Signal auf das Signalbild F 0 (Halt) umschaltet, erfolgt die Anmeldung am eingleisigen Abschnitt. Ist der eingleisige Streckenabschnitt befahrbar, wechselt das Signalbild an den Signalen S 1 bzw. S 2 auf das Signalbild F 1 (Fahrt freigegeben nur geradeaus). Darf der eingleisige Streckenabschnitt nicht befahren werden, wird neben dem Signalbild F 0 (Halt) das Signalbild F 6 (Anforderung gespeichert) gezeigt. Erscheint das Signalbild F 6 (Anforderung gespeichert) nicht, ist davon auszugehen, dass die Anmeldung nicht erfolgt ist. Diese kann mittels Schlüsselschalter SKS 1 bzw. SKS 2 wiederholt werden.

Die Anmeldung während der Wendefahrt am Platz der Freiheit zur Weiterfahrt in Richtung Marienplatz erfolgt am Einschaltkontakt EK 1.2. Das Signal S 3 quittiert dies durch das Signalbild F 6 (Anforderung gespeichert). Die Anlage schaltet das Deckungssignal DS 1 auf das Signalbild F 0 (Halt) und die KFZ-Signalanlage K 1 ein. War dies erfolgreich wird das Signalbild F 5 (Fahrt freigegeben unter Beachtung der Abbiegeregeln nach § 9 Straßenverkehrsordnung) gezeigt. Dabei erfolgt aber keine Prüfung, ob der Deckungsabschnitt 1 tatsächlich frei ist. Sollte der Deckungsabschnitt nicht frei sein, muss so lange gewartet werden bis dieser frei ist. Dabei ist zu beachten, dass der den Deckungsabschnitt verlassende Zug beim Befahren des Löschkontaktes LK 1 den Deckungsabschnitt 1 frei gibt, das KFZ-Signal K 1 löscht und die Anmeldung für den eingleisigen Abschnitt aufhebt. Für die Weiterfahrt zum Marienplatz muss also eine erneute Anmeldung am Schlüsselkontakt SKS 1 erfolgen. Dabei erfolgt eine erneute Sicherung des Deckungsabschnittes 1. Ein Einschalten des KFZ-Signals 1 erfolgt nicht.

Innerhalb des eingleisigen Bereiches befinden Zwischensignale (Richtung Marienplatz: S 11 bis S13 und Richtung Platz der Freiheit: S 21 bis S 23). Für eine ungehinderte Weiterfahrt müssen sie das Signalbild F 1 (Fahrt freigegeben nur geradeaus) zeigen. Ist dies nicht der Fall ist der Zug sofort anzuhalten und mittels Signal Z 5 (Warnblinkanlage) zu sichern und die Leitstelle zu informieren.

Das Verlassen des eingleisigen Abschnittes wird mittels Ausschaltkontakte registriert und es erfolgen die entsprechenden Signalschaltungen. Diese Kontakte sind immer doppelt ausgeführt um die Fahrtrichtung des passierenden Zuges eindeutig zu beurteilen.

Um Züge, die aus mehreren Wagen mit angelegten Stromabnehmern gebildet sind, nicht doppelt zu zählen, sind die Schaltkontakte nach Signalabgabe für 30 Sekunden blockiert.

Fahrzeuge ohne Bordrechner können keine LSA-Telegramme absetzen. So müssen zur Anmeldung zwingend die Schlüsselkontakte SKS 1 bzw. SKS 2 benutzt werden.

Die Anlage ist so ausgerichtet, dass sich innerhalb des eingleisigen Anschnitts in der gleichen Fahrtrichtung bis zu drei Züge befinden können.

Sicherung der Haltestellen mit Fahrgastwechsel über die Fahrbahn

Unmittelbar vor den Haltestellen Platz der Freiheit (Lübecker Straße stadtwärts) und Stadthaus (stadtwärts) befindet sich je eine Lichtzeichenanlage zur Sicherung des Fahrgastwechsels für Linienfahrten über die Fahrbahn. Diese Anlagen werden vom herannahenden Zug mittels Datentelegramm geschaltet.

Fahrten, die nicht Bestandteil des Linienverkehrs sind, können nicht angemeldet werden.

 

Sicherung des KFZ-Verkehrs im Kreuzungsbereich Wismarsche Straße/Franz-Mehring-Straße

Für Linienfahrten in Richtung Marienplatz erfolgt vor dem Befahren des Kreuzungsbereiches Wismarsche Straße/Franz-Mehring-Straße eine Anmeldung mittels Datentelegramm an der KFZ-Signalanlage, mit der in der Wismarschen Straße der Verkehr in und aus Richtung Hauptbahnhof angehalten wird. Der Verkehr aus der Arsenalstraße ist nicht einbezogen, da dieser durch das Verkehrszeichen 206 (Halt! Vorfahrt gewähren) untergeordnet ist.

Die Anmeldung wird am Signal S 14 durch das Signalbild F 6 (Anforderung gespeichert) kenntlich gemacht. Wenn das Wechsellichtzeichen „Rot“ leuchtet, wird am Signal S 14 das Signalbild F 5 (Fahrt freigegeben unter Beachtung der Abbiegeregeln nach § 9 Straßenverkehrsordnung) gezeigt.

Fahrten, die nicht Bestandteil des Linienverkehrs sind, können nicht angemeldet werden.

 

Signalanlage Unterführung Ludwigsluster Chaussee

Dieses Bauwerk ist kein Straßenbahntunnel im Sinne der BOStrab, sondern eine Unterführung. Die Inbetriebnahme war am 7. Oktober 1979 im Zusammenhang mit der Streckeneröffnung nach Neu Pampow. Sie besitzt eine automatische signalisierte Folgezugsperre. Die ursprüngliche Anlage war mit der Eröffnung installiert worden, ging aber wenig später kaputt. Ersatzteile waren damals nur schlecht zu beschaffen. So war die Anlage in den Folgejahren immer wieder für zum Teil längere Zeit außer Betrieb. Erst die Ende 1994 errichtete neue Anlage brachte eine durchgreifende Besserung.

Funktionsweise der Anlage von 1994: Beide Fahrrichtungen haben jeweils eine eigene von der Gegenrichtung unabhängige Signalanlage. Für beide Richtungen gibt es eine gemeinsame Steuereinheit.

Die Signale stehen in Fahrtrichtung jeweils ca. 50 Meter vor der Unterführung. In der Grundstellung sind die Signale dunkel. Fährt ein Zug in Richtung Unterführung über die Induktionsschleife, die sich ca. 100 Meter vor dem Signal befindet, wird die Anlage „geweckt“ und am Signal das Signalbild F1 (Fahrt frei gegeben) gezeigt. Fährt der Zug am Signal vorbei, befährt er nun den Gleisstromkreis und am Signal wird das Signalbild F0 (Halt) gezeigt. Ein eventuell folgender Zug muss dann am Signal anhalten. Hat ein Zug den Gleisstromkreis, dieser endet ca. 100 Meter hinter der Unterführung, verlassen, wird das Signal wieder dunkel und die Anlage „schläft“. Sollte sich zwischenzeitlich ein weiterer Zug angemeldet haben, wird dann für den Folgezug das Signalbild F1 gezeigt.

Eine Vorbeifahrt am Signalbild F0 führt nicht zu einer Zwangsbremsung.

Ist die Signalanlage gestört oder kein eindeutiges Signalbild zu erkennen, ist nach der DF Strab Schwerin §61 Punkt 6 zu verfahren. Darin heißt es „Bei Ausfall oder Störung der Fahrsignalanlage der Unterführung Ludwigsluster Chaussee ist vor der Signalanlage anzuhalten. Anschließend darf die Unterführung mit einer Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h befahren werden.

Im Jahre 2011 häuften sich die Störungen der Anlage. Anfang April 2012 trat ein irreparabler Defekt auf und die Anlage wurde außer Betrieb genommen. Um die nun eintretenden Verzögerungen beim Durchfahren der Unterführung zu minimierten, wurden die Signale abgedeckt. Damit galt die DF Strab Schwerin §61 Punkt 6 hier nicht mehr. Zur weiteren Gewährleistung der Verkehrssicherheit ließ der Betriebsleiter je nach Sichtweite des nötigen Bremsweges in der Unterführung Geschwindigkeitsbegrenzungen aufstellen. Bei der Einfahrt galten 10 km/h, kurz danach im Innenbogen 20 km/h und im Außenbogen 30 km/h.

Im Sommer 2012 errichtete der Nahverkehr unter Nutzung der vorhandenen Gleisstromkreise und Signale eine neue Anlage. Der Probebetrieb begann am 21. September 2012. Nach der Abnahme durch die Bahnaufsicht am 28. September 2012 konnten die Geschwindigkeitsbegrenzungen entfallen.

 

Funktionsweise der Anlage von 2012: Beide Fahrrichtungen haben jeweils eine eigene Signalanlage mit eigenständiger Steuereinheit. Es handelt sich also um zwei völlig getrennte Anlagen.

Die alten Signale (S3-01 und S3-04) am Beginn des jeweiligen Gleisstromkreises sind nun ständig in Betrieb und zeigen in der Grundstellung das Signalbild F1 (Fahrt frei gegeben). Damit werden die alten Induktionsschleifen zum „Wecken“ der Anlage nicht mehr benötigt. Direkt am Beginn der Unterführung befinden sich neue Signale (S3-02 und S3-03). Diese zeigen in der Grundstellung das Signalbild F0 (Halt). Fährt nun ein Zug am ersten Signal (S3-01 bzw. S3-04) vorbei, befährt er nun den Gleisstromkreis und das Signalbild ändert sich am ersten Signal
(S3-01 bzw. S3-04) auf F0 und am zweiten Signal auf F1. Verlässt der Zug den Bereich des Gleisstromkreises, dieser endet weiterhin ca. 150 Meter hinter der Unterführung, geht die Anlage wieder in Grundstellung.

Eine Vorbeifahrt am Signalbild F0 führt weiterhin nicht zu einer Zwangsbremsung.

Bei einer Störung der Signalanlage darf an den Signalen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h vorbeigefahren werden und es ist die Leitstelle zu informieren. Im weiteren Fahrtverlauf sind die Geschwindigkeitssignale G2 zu beachten.

 

Bedienung der Weichenstraße zur Abstellfläche Btf. Haselholz

Erstmals wurden in Schwerin in einem Betriebshof Weichen mit elektrischen Stellvorrichtungen ausgestattet. Dies betrifft ab 8. Oktober 2010 die Weichen 5-71 und 5-73 bis 5-79 vor der Abstellfläche. Diese Weichen dürfen grundsätzlich nicht aufgeschnitten werden. Auf Grund der kurzen Entfernungen der Weichen untereinander ist elektrisch nur ein komplexes Stellen aller Weichen eines Fahrweges möglich. Die Bedienung der elektrischen Weichenstellvorrichtungen der Weichen erfolgt beim spitz Befahren der Weichen (Regelfahrtrichtung) durch Taster auf der Bedientafel und einer elektronischen Weichensteuerung. Bei Fahrten entgegengesetzt der Regelfahrtrichtung erfolgt die Ansteuerung der Weichenstellvorrichtung der stumpf befahrenen Weichen durch Gleisstromkreise.

In der Grundstellung sind die Leuchttaster auf der Tafel sowie die Signalgeber dunkel. Sofern sich ein Schienenfahrzeug im Bereich einer der Weichen befindet erscheint auf dem Signalgeber das Signal F0 (Halt). Es kann kein Zielgleis gewählt werden.

Vor dem Befahren der der Weichen in Regelfahrtrichtung ist vor dem Signalgeber zu halten. An der Schalttafel wird durch Betätigen des entsprechenden Leuchttasters das gewünschte Zielgleis eingestellt. Während des Stellvorgangs der Weichen blinkt der Leuchttaster und am Signalgeber erscheinen die Signale F0 (Halt) und F6 (Anforderung). Nach erfolgten Stellvorgang der Weichen leuchtet der Leuchttaster des gewählten Gleises dauerhaft und am Signalgeber erscheint das Signal F1 (Fahrt geradeaus). Nach vorbeifahrt am Signalgeber erscheint das Signal F0 (Halt). Es kann kein Zielgleis vorgewählt werden. Ein manuelles Stellen der Weichen im weiteren Fahrtverlauf ist jedoch möglich. Nach dem Verlassen der letzten Weiche erlischt das Signal F0 (Halt) und die Anlage befindet sich wieder in Grundstellung. Bei falscher Gleiswahl kann vor der Vorbeifahrt am Signalgeber die Fahrstraße am Taster Fahrtrücknahme korrigiert werden. Die Anlage befindet sich dann wieder in Grundstellung.

Werden die Weichen aus einem der Gleise 1 bis 9 in Richtung Wagenhalle stumpf befahren und findet sich kein weiteres Fahrzeug im Bereich der Weichen 5-71, 5-73 bis 5-79, so wird der Fahrweg unmittelbar vor Befahren des Herzstückes der ersten Weiche bis zur Weiche 5-71 ebenfalls elektrisch gestellt. Am Signalgeber erscheint das Signal F0 (Halt). An der Schalttafel kann kein Zielgleis eingestellt werden. Nachdem die letzte Weiche des Fahrweges frei gefahren wurde erlischt das Signal F0 (Halt). Die Anlage befindet wieder in Grundstellung.

Bei Störungen der Anlage ist die Leitstelle zu informieren und die Weichen händisch zu stellen.

Bedientafel der Weichenstraße vor der Abstellfläche im Btf. Haselholz.
Foto Axel Aurich

 

 

© 14.02.14 Axel Aurich